Mittwoch, März 15, 2006

Gastkommentar von Marianne Weno: Du bist das Klima!

Du bist das Klima ...
15.3.2006
Eine Ansichtssache von Marianne Weno

Energiesparen ist wieder im Gespräch. Der Bundesumweltminister bemerkte kürzlich, wenn wir auf alle Stand-by-Schaltungen verzichten würden, könnten wir zwei Atomkraftwerke abschalten. Ja, wenn ...
Die meisten von uns verzichten eben nicht, auch nicht auf die überflüssigsten Dinge. Nicht auf die spritsaufenden Geländewagen, nicht auf die alljährliche Flugreise um die halbe Welt, nicht darauf, im Winter auf beheizten Caféterrassen zu sitzen. Sie verdrängen, was sie über den Klimawandel wissen, obwohl die Auswirkungen immer näher kommen. Gründe dafür sind auch falsche Signale aus der Politik. Energiewende – vorgedacht und vergessen.
Vor einem Vierteljahrhundert erschien das Buch Energiewende aus dem Freiburger Ökoinstitut, in dem die Autoren Szenarien für bessere Energienutzung und alternative Energieversorgung entwarfen. Damals, 1980, ging es hauptsächlich darum, die Abhängigkeiten von Öl und Atom zu beenden. Zum ersten Mal tauchte das Wort vom Energiesparen als ergiebigster Energiequelle auf. 1995 veröffentlichten Ernst Ulrich von Weizsäcker und zwei amerikanische Mitautoren Faktor vier, das noch detaillierter beschrieb, wie allein durch mehr Energieeffizienz „doppelter Wohlstand bei halbiertem Naturverbrauch“ möglich wäre. Das alles erschien ebenso schlüssig wie utopisch. Würde, was praktisch möglich war, sich politisch durchsetzen lassen? Während bei den erneuerbaren Energien sehr langsam einiges in Bewegung gekommen ist, blieb die „Energieeffizienz“ größtenteils in den Ansätzen stecken. Zwar hat die Industrie aus Kostengründen viel getan, um ihren Energieverbrauch zu reduzieren, aber wie zu erwarten war, sind die grundlegenden Strukturveränderungen im Lande am Widerstand der Energiewirtschaft gescheitert. Kleinere dezentrale Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Koppelung passten ebenso wenig ins Konzept wie das Energiesparen allgemein. Auch Rot-grün war hier ziemlich machtlos.
Die Logik des Verdrängens
Energiesparen ist nicht nur Technik, sondern auch Psychologie. Ohne die Bereitschaft der Bürger, nach ihren Kräften etwas für das Klima zu tun, werden wir unsere Einsparziele nicht erreichen. So lange es nicht als peinlich gilt, mit Vierradantrieb zum Briefkasten zu fahren und Energieverschwendung allgemein nicht geächtet wird, werden sich auch die Kommunen nicht von unsinnigen Projekten abbringen lassen. Was antwortet heute jemand, den man fragt, ob er nicht einen Teil seiner weihnachtlichen Lichterketten abmontieren will? „Dann seht euch doch mal in der Stadt um“. Auf die Frage, ob er nicht die Heizung um ein Grad drosseln könnte, wird er vielleicht an den Tropenpark in der Cargolifter-Halle erinnern, die gegen jede Wärmeschutzverordnung im Sommer und Winter auf Tropentemperatur aufgeheizt wird.
Wären wir wirklich unglücklicher ohne Eishäuser und Kunstschneepisten? Blieben Lebensträume unerfüllt, wenn wir nicht mal schnell und superbillig nach London fliegen könnten? Ab und zu lesen wir in der Zeitung, wie lange es dauern wird, bis der Golfstrom versiegt, oder was es bedeutet, wenn die Gletscher verschwinden. Aber niemand fordert uns auf, Konsequenzen zu ziehen. Wir sehen Wirbelstürme und Überschwemmungen im Fernsehen, aber akzeptieren wir einen Zusammenhang mit unserem Verhalten? Nein, im Zweifel haben wir dafür andere Sündenböcke. Aufklärung ist nicht erwünscht und findet auch kaum statt. Wir sollen konsumieren und uns nicht zu viele Gedanken machen.
Bis heute lassen sich Politiker bei Automessen gern in den größten Schlitten fotografieren. Die Medien folgen bereitwillig dieser Linie. So sind kritische Umweltsendungen im Fernsehen, wie seinerzeit Globus, längst eingestellt. Nirgends gibt es Appelle, die schlimmste Verschwendung einzustellen. Die Politik redet vom Energiesparen so unverbindlich wie von „Nachhaltigkeit“. Wie wäre es mal mit einer Kampagne: „DU BIST DAS KLIMA“?
Autorin: Marianne Weno für Newsletter der Stiftung Berlin
Florentin Krause, Hartmut Bossel, Karl-Friedrich Müller-Reißmann: Energie-Wende, Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran. Ein Alternativ-Bericht des Öko-Instituts Freiburg. S. Fischer, 1980.
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amory B. Lovins und L. Hunter Lovins: Faktor vier, Droemer Knaur, 1995

Kommentare:

Wolf von Fabeck hat gesagt…

Energiespar-Appelle sind nutzlos

Die Wirtschaft reagiert in erster Linie auf Preissignale. Wer die Wirtschaft und die Privatleute zum Energiesparen bringen will, muss Energie durch Energiesteuern künstlich drastisch verteuern. Alles andere ist Wunschdenken und Traumtänzerei!

Würde man alle Appelle zur effizienten Verwendung von Energie und zum Energiesparen, die seit der ersten Ölkrise 1973 gedruckt wurden, aufeinanderlegen, so würde der Papierstapel wahrscheinlich schon den Mond erreichen. Ein Grund zum Stolz ist dies keinesfalls. Nach über 30 Jahren sollten wir lieber einmal Bilanz ziehen, was die Appelle eigentlich gebracht haben.

Optimisten weisen hier gerne auf Wirkungsgradverbesserungen im Kraftwerksbereich hin und auf Verminderung des Strombedarfs bei Kühlschränken und Waschmaschinen. Aber schon die Aufsummierung des Stromverbrauchs aller deutscher Standby-Schaltungen lässt Zweifel am Konzept aufkommen. Wer sich durchgreifende Erfolge erhofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Die sich selbst tragende Effizienzbewegung ist ausgeblieben. - Warum eigentlich?

Bei den Erneuerbaren Energien im Wärme- oder im Verkehrsbereich und bei der Energieeffizienz wird jeder wesentliche Fortschritt ausgebremst, weil Energie zu billig ist. Niedrige Energiepreise sind die wichtigste Ursache dafür, dass Leute sich heute noch immer 7- oder 10-Liter-Autos kaufen, Elektroboiler und Gas- oder Ölheizungen einbauen, das Wort "Passivhaus" für einen Witz halten und die Zimmertemperatur durch Öffnen der Fenster regeln.

Die Schlussfolgerung ist eigentlich ganz einfach: Energie muss teurer werden; nicht zögerlich und in ungewisser Zukunft durch die steigende Nachfrage aus Indien und China, sondern jetzt gleich und ernsthaft durch eine radikale Erhöhung der Energiesteuern!

Aber nicht einmal die Umweltverbände wagen es, diese Forderung öffentlich zu stellen. Der Grund ist weniger die Angst vor dem Verlust von Mitgliedern, sondern hinter ihrer Unsicherheit steckt viel mehr eine argumentative Schwäche, nämlich die nicht zu Ende geführte intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Totschlagargument: "Teure Energie kostet Arbeitsplätze".

Wer davon ausgeht, dass teure Energie Arbeitsplätze kostet - es zumindest für denkbar hält - der kann natürlich nicht mit gutem Gewissen höhere Energiesteuern fordern. Die grundsätzliche Lösung bleibt ihm deshalb verwehrt. So probieren es die Umweltfreunde mit mal einem Förderprogramm hier und mal einer Subvention dort, mit Einrichtung von Energieagenturen und mit weiteren Aufklärungsprogrammen zur Energieeffizienz. Seit über 30 Jahren!

"Teure Energie kostet Arbeitsplätze." Die Tatsache, dass hinter dieser Behauptung handfeste Interessen der Energiewirtschaft zu vermuten sind, müsste eigentlich zum kritischen Nachdenken führen. Aber die Aussage wird überhaupt nicht mehr als eine nachprüfbare - und gegebenenfalls auch widerlegbare - Behauptung empfunden. Sie ist vielmehr wie ein Glaubenssatz tief ins kollektive Unterbewusstsein eingedrungen, so dass keiner mehr auf die Idee kommt, die zu Grunde liegenden Argumente herauszusuchen, sie zu entwirren und kritisch zu Ende zu denken. Die Folge ist eine Lähmung der Umweltbewegung.

Doch fehlerhafte Glaubenssätze bestehen glücklicherweise nicht ewig. Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit hat ein interdisziplinäres Team aus Volkswirtschaftlern, Physikern, Mathematikern und Ingenieuren eine Argumentenkette entwickelt, die zum eindeutigen Schluss führt:

Nicht billige, sondern teure Energie schafft Arbeitsplätze. Eine rasche Erhöhung der Energiesteuern ist dringend und überfällig!

Obwohl sie kein einziges ökologisches Argument verwendet, kommt die jetzt aufgestellte Argumentenkette mit rein ökonomischen(!) Begründungen zu ähnlichen Ergebnissen wie schon die alte ökologische Steuer- und Finanzreform: Sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht ist eine Anhebung der Energiesteuern dringend erforderlich. Damit leistet die neue Theorie gleichzeitig einen bahnbrechenden Beitrag zur Versöhnung von Ökologie und Ökonomie.

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat sich dem neuen interdisziplinären Energiesteuer-Team angeschlossen und für die praktische Umsetzung drei konkrete Forderungen aufgestellt, die weit über die Forderungen der ökologischen Steuerreform hinausgehen:

* Ersatz des bisherigen Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung durch eine Energiesteuer von zunächst 12 Cent/kWh auf Endenergie,

* dauerhafte Gewährung eines Energiegeldes von 100 Euro pro Kopf und Monat,

* Durchführung der Energiesteuerreform so schnell dies überhaupt möglich ist, um weiteres Ausbluten von Staat und Sozialsystemen rasch zu beenden.

Wolf von Fabeck hat gesagt…

Energiespar-Appelle sind nutzlos

Die Wirtschaft reagiert in erster Linie auf Preissignale. Wer die Wirtschaft und die Privatleute zum Energiesparen bringen will, muss Energie durch Energiesteuern künstlich drastisch verteuern. Alles andere ist Wunschdenken und Traumtänzerei!

Würde man alle Appelle zur effizienten Verwendung von Energie und zum Energiesparen, die seit der ersten Ölkrise 1973 gedruckt wurden, aufeinanderlegen, so würde der Papierstapel wahrscheinlich schon den Mond erreichen. Ein Grund zum Stolz ist dies keinesfalls. Nach über 30 Jahren sollten wir lieber einmal Bilanz ziehen, was die Appelle eigentlich gebracht haben.

Optimisten weisen hier gerne auf Wirkungsgradverbesserungen im Kraftwerksbereich hin und auf Verminderung des Strombedarfs bei Kühlschränken und Waschmaschinen. Aber schon die Aufsummierung des Stromverbrauchs aller deutscher Standby-Schaltungen lässt Zweifel am Konzept aufkommen. Wer sich durchgreifende Erfolge erhofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Die sich selbst tragende Effizienzbewegung ist ausgeblieben. - Warum eigentlich?

Bei den Erneuerbaren Energien im Wärme- oder im Verkehrsbereich und bei der Energieeffizienz wird jeder wesentliche Fortschritt ausgebremst, weil Energie zu billig ist. Niedrige Energiepreise sind die wichtigste Ursache dafür, dass Leute sich heute noch immer 7- oder 10-Liter-Autos kaufen, Elektroboiler und Gas- oder Ölheizungen einbauen, das Wort "Passivhaus" für einen Witz halten und die Zimmertemperatur durch Öffnen der Fenster regeln.

Die Schlussfolgerung ist eigentlich ganz einfach: Energie muss teurer werden; nicht zögerlich und in ungewisser Zukunft durch die steigende Nachfrage aus Indien und China, sondern jetzt gleich und ernsthaft durch eine radikale Erhöhung der Energiesteuern!

Aber nicht einmal die Umweltverbände wagen es, diese Forderung öffentlich zu stellen. Der Grund ist weniger die Angst vor dem Verlust von Mitgliedern, sondern hinter ihrer Unsicherheit steckt viel mehr eine argumentative Schwäche, nämlich die nicht zu Ende geführte intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Totschlagargument: "Teure Energie kostet Arbeitsplätze".

Wer davon ausgeht, dass teure Energie Arbeitsplätze kostet - es zumindest für denkbar hält - der kann natürlich nicht mit gutem Gewissen höhere Energiesteuern fordern. Die grundsätzliche Lösung bleibt ihm deshalb verwehrt. So probieren es die Umweltfreunde mit mal einem Förderprogramm hier und mal einer Subvention dort, mit Einrichtung von Energieagenturen und mit weiteren Aufklärungsprogrammen zur Energieeffizienz. Seit über 30 Jahren!

"Teure Energie kostet Arbeitsplätze." Die Tatsache, dass hinter dieser Behauptung handfeste Interessen der Energiewirtschaft zu vermuten sind, müsste eigentlich zum kritischen Nachdenken führen. Aber die Aussage wird überhaupt nicht mehr als eine nachprüfbare - und gegebenenfalls auch widerlegbare - Behauptung empfunden. Sie ist vielmehr wie ein Glaubenssatz tief ins kollektive Unterbewusstsein eingedrungen, so dass keiner mehr auf die Idee kommt, die zu Grunde liegenden Argumente herauszusuchen, sie zu entwirren und kritisch zu Ende zu denken. Die Folge ist eine Lähmung der Umweltbewegung.

Doch fehlerhafte Glaubenssätze bestehen glücklicherweise nicht ewig. Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit hat ein interdisziplinäres Team aus Volkswirtschaftlern, Physikern, Mathematikern und Ingenieuren eine Argumentenkette entwickelt, die zum eindeutigen Schluss führt:

Nicht billige, sondern teure Energie schafft Arbeitsplätze. Eine rasche Erhöhung der Energiesteuern ist dringend und überfällig!

Obwohl sie kein einziges ökologisches Argument verwendet, kommt die jetzt aufgestellte Argumentenkette mit rein ökonomischen(!) Begründungen zu ähnlichen Ergebnissen wie schon die alte ökologische Steuer- und Finanzreform: Sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht ist eine Anhebung der Energiesteuern dringend erforderlich. Damit leistet die neue Theorie gleichzeitig einen bahnbrechenden Beitrag zur Versöhnung von Ökologie und Ökonomie.

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat sich dem neuen interdisziplinären Energiesteuer-Team angeschlossen und für die praktische Umsetzung drei konkrete Forderungen aufgestellt, die weit über die Forderungen der ökologischen Steuerreform hinausgehen:

* Ersatz des bisherigen Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung durch eine Energiesteuer von zunächst 12 Cent/kWh auf Endenergie,

* dauerhafte Gewährung eines Energiegeldes von 100 Euro pro Kopf und Monat,

* Durchführung der Energiesteuerreform so schnell dies überhaupt möglich ist, um weiteres Ausbluten von Staat und Sozialsystemen rasch zu beenden.